Historische Entwicklung der Barkultur Die Entstehung der heutigen Barkultur anhand von geschichtlichen Ereignissen, Errungenschaften und Gründungen  In Jahreszahlen seit Beginn unserer heutigen Zeitrechnung Von 1902 bis 1959  1902 Die erste deutsche Limonade „Sinalco“ wird vom Naturheilkundler Friedrich Bilz aus  Radebeul bei Dresden erfunden. Seit 1905 wird die Bilz-Brause von Franz Hartmann aus Detmold  als Marken-Limonade verkauft. Der Name leitete Hartmann ab von "sine alcohole", ohne Alkohol.  1904 Auf der Weltausstellung in St. Louis, USA, soll Richard Blechynden Tee aus Indien und  Ceylon verkaufen. Wegen des heißen Wetters will niemand den dampfenden Tee probieren. Er  gießt ihn deswegen über Eiswürfel in ein Glas. Der erfrischende Eistee war erfunden und fand  sofort Abnehmer. 1909 Die IBU, die „Internationale Barkeeper Union“ wird in Köln von Hans Schönfeld, John  Leybold, Fred Wood-Bilten, Emil Beltz und R. Toeska gegründet. Der erste Weltkrieg beendete  1914 die Aktivitäten. 1918 beginnt Vizesekretär A.T. Neirath mit den ersten Treffen nach dem  Weltkrieg. Ab 1919 war Neirath dann Vorsitzender. In Hamburg eröffnet 1909 das imposante Atlantic an der Außenalster mit den neuesten  technischen Einrichtungen seiner Zeit und einer Hotelbar. 1910  Für die Finanzierung der Kriegsflotte der deutschen Marine wird auf Sekt eine Luxussteuer  erhoben. Diese Sektsteuer hat immer noch Bestand. Beim Kauf einer Flasche Sekt beinhaltet der  Preis heute 2 DM Sektsteuer. 1911 Der erfolgreiche Jockey Tod Sloan tut sich mit dem New Yorker Gastronom Glancey  zusammen. Sie eröffnen in Paris die „New York Bar“. Am 23.11., dem Thanksgiving Day, kommen  die ersten Gäste in der Rue Daunou 6. Als Barkeeper besorgen sie sich Harry MacElhone. Die New  York Bar ist die erste „American Bar“ auf dem Kontinent. Sie steht außerhalb eines Hotels oder  Restaurants, damals einzigartig in Europa. Vor dem ersten Weltkrieg gab es Cocktails  ausschließlich in Hotels mit internationalen Gästen. Der junge Harry  übernimmt die New York Bar   später als: „Harry’s New York Bar“. Heute gibt es auch in Deutschland einige Harry’s New York  Bars. (ehemals München und Hamburg. Nun Berlin, auf der alten M.S. Europa und Hannover)   1912 In der  französischen Stadt Bourges startet George Monin mit der Sirup und  Likörfabrikation. Monin verfügt heute über fast 40 hochwertige Barsirupe. Das Wort Mocktail  (Monin + Cocktail) soll von der Firma geprägt worden sein.     1913  Erscheint das deutsche Barbuch „Lexikon der Getränke“ von Hans Schönfeld und John  Leybold. 1915 Im 1887 eröffneten Hotel Raffles in Singapore erfindet Ngiang Tong Boon den Singapore  Sling und kurze Zeit später den „Million-Dollar-Cocktail“. Vor allem mit dem Singapore Sling löste  er im Hotel einen wahren Boom aus. Zeitweise wurden pro Tag bis zu 1000 der pinkfarbenen  Getränke verkauft. 1936 wurde das Geheimnis der bis dahin streng gehüteten Rezeptur gelüftet.  Singapore, ein so genanntes „Outpost of Empire“ des ehemaligen britischen Weltreichs, ist noch  heute bei den Engländern sehr beliebt. Über die Bar des Hotel Raffles sagte der englische  Schriftsteller W. Somerset Maugham: „Man muss nur lange genug am Tresen lehnen, um früher  oder später jeden Weißen östlich von Suez zu treffen.“ 1918 In der Nähe von Sao Paulo wird von einem Barbesitzer die Caipirinha erfunden. Während  einer Grippewelle versucht dieser mit Vitaminen und Alkohol die Symptome zu bekämpfen.  1919 Die Anti-Saloon-Liga, die als Bewegung in Ohio gegründet wurde, hat sich durchgesetzt. Am  16.1. um 12.00 Uhr beginnt laut Erlass von Präsident Wilson die Prohibition in den USA: „Für alle  amerikanischen Bürger ist Herstellung, Verkauf, Transport, Einfuhr- und Ausfuhr alkoholischer  Getränke verboten“. Für damals 105 Millionen Amerikaner beginnt ein trockenes Leben ohne  Alkohol. Die Cocktailgeburten finden fortan auf Kuba und in Europa statt. Viele Amerikaner  begeben sich nun für ein „nasses“ Wochenende nach Kuba, um dort zu trinken. (Auch in einigen  europäischen Ländern gibt es Prohibition: in Finnland von 1919 bis 1932 und in Norwegen von  1919 bis 1926). Die Whiskyproduktion in Kanada erlebt einen traumhaften Aufstieg und hat in  dieser Zeit alle Hände voll zu tun.   In Padua, Italien, wird 1919 anlässlich der ersten internationalen Mustermesse der Aperol kreiert.  Der 11% - bittersüße Aperitif mit Orangenaroma setzt sich schnell durch.  Der erste Weltkrieg ist beendet. Der Versailler Vertrag besagt unter anderem, dass Champagner  nur noch aus dem französischen Gebiet Champagne kommen darf. 1920 Der Negroni wird von Fosco Scarselli im Hotel Baglioni in Florenz erfunden. Der Graf (Ital.  Compte) Camillo Negroni wollte in der dortigen Jocosa Bar immer mehr Gin in sein Americano,  weil dieser ihm nicht mehr stark genug schmeckte.   1921 Bloody Mary wird von Pete Petoit in Harry‘s Bar, Paris, erfunden.   In Japan gründet Masatake Taketsuro mit Shinjiro Torii nach einer Reise durch Schottland die  erste japanische Wkiskydestillerie. Wodka Gorbatschow starte in der Berlin mit seiner Produktion. 1922 Der spanische König besucht Deauville. Ihm zu Ehren entwickelt man in der Harry’s Bar den  Alfonso.   1922 gibt es in Deutschland eine gravierende Inflation, die Einen horten in Unmengen Kaviar, die  Anderen nur einige Kartoffeln. Die schlechte Zeit endet für die Allgemeinheit mit der  Währungsreform 1923. Im Dezember 1924 sind die Hotels und Restaurants in Berlin dann wieder  überfüllt. Berlin war in den 20‘ern Mittelpunkt der Welt, hatte mehr Einwohner als Paris und war  von interessanten Leuten nur so übersäht. In Europa amüsiert man sich nun erst recht. In Berlin  spricht man von den goldenen Zwanzigern, in London von den gay twenties, in Amerika trotz  Prohibition von den roaring Twenties und in Paris von den années folles. In Kuba deklariert man  diese Zeit heute noch als „Golden Age of Cocktail“. 1923 Am 27. April wird in Frankreich nach einigen Todesfällen das Trinken von Absinth verboten.  Absinth war zu der Zeit der Modeaperitif überhaupt, enthielt jedoch das Nervengift Thujon. Die  Schweiz entschied sich schon im Dezember 1910 per Volksabstimmung gegen den Absinth, die  USA 1912 was besonders die Absinth- Abhängigen in New Orleans traf. Spanien und Deutschland  schließen sich an.  Der Gesetzentwurf für das allgemeine Absinthverbot in Frankreich ist von 1915. Dieser bedeutete  einen herben Rückschlag für die Firma Pernod. Man ändert die Zutaten und geht weg vom  Absinth. Seit 1938 ist der Pernod mit dem heutigen Rezept auf dem Markt. Er  konnte seit dem  nie wieder an die glorreichen Zeiten anknüpfen und wurde von Ricard (siehe 1932) als  Marktführer abgelöst. Der Americano war absolutes Trendgetränk und wurde von mehreren Firmen in Flaschen abgefüllt  verkauft, u.a. Aperitif Americano von Poccardi.    1924 Malteserkreuz Aquavit wird unter dänischer Kontrolle erstmals in Berlin gebrannt, da die  Einfuhr des bekannten Alborg Aquavits durch Zölle zu teuer wurde. 1972 wurde die Produktion  nach Buxtehude bei Hamburg verlegt.  1928 Die I.B.U., die in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg erhebliche finanzielle  Schwierigkeiten hatte, und sich daher früh als Unterabteilung dem Genfer Verband anschloss,  bekam nun für seine über 200 Mitglieder eine eigene Satzung. Doch nach vielen Jahren des  Erfolgs und der Anerkennung folgte während des Dritten Reiches der erneute Niedergang der  I.B.U.: Die deutsche Arbeiterfront stellte fest, dass der Verband der Barkeeper auf einer  Ausstellung 1936 in Berlin mit Spirituosen arbeitete deren Herstellerfirmen nicht genehm waren  und untersagte die Tätigkeiten der Union deswegen vollständig. 1929 Die erste deutsche Coca-Cola Abfüllung startet in Essen. Die kleine Coca-Cola Fabrik ist das  erste Unternehmen Deutschlands, das Getränke mit Flaschen-Pfand verkauft. 1940 entwickelt  Coca-Cola Deutschland die Fanta, die heute größte Orangenlimonade der Welt. Die Firma Hamilton  Beach aus den USA beginnt mit ihren elektrischen Mixern und ‚quirlt‘ sich in die Bars.  1929 ist jedoch auch der Beginn der Weltwirtschaftskrise. 1931 In Deutschland erscheint „Das große Lehrbuch der Bar“ von Harry Schraemli aus der  Schweiz. Schraemli durchlief eine bemerkenswerte Karriere in der Gastronomie. Er begann als  Barmixer und war bereits mit 26 Jahren Hoteldirektor in Lugano. Über 20 Jahre ist er als Lehrer  an der an der Hotelfachschule in Luzern für den Bereich Bar zuständig. Als Selbständiger betreibt  er das Grand Restaurant „Huguenin“ mit einer Bar von Weltruf. 1962 berief ihn die UNESCO als  Hotelbeauftragten in etliche Länder dieser Erde sei es Jugoslawien, Senegal, Brasilien oder  Nigeria. Schraemli starb 1995. Am 13. Mai 1931 eröffnet in Venedig die Harry Bar. Guiseppe  Cipriani kann sich dank dem Amerikaner Harry Pickering der Traum einer eigenen Bar erfüllen.  1932 Paul Ricard steckt die ganze Lebensart Südfrankreichs in seinen ‘Pastis’ aus Marseille und  kreiert das künftige Nationalgetränk der Franzosen. 1933 Auf Betreiben des neuen Präsidenten Franklin Roosevelt ist am 5.12. die Zeit der Prohibition  in den U.S.A. zu Ende. Roosevelt hatte sein Wahlversprechen gehalten. In Madrid fand der bis  dahin größte Cocktail Wettbewerb statt. Mixer aus vielen Nationen shaken über 800 verschiedene  Rezepturen. 1934 Die deutschen IBU zeigt mit großem Erfolg auf der internationale Kochkunstausstellung in  Frankfurt am Main im Oktober ihr können.  1935 Die Firma Henkel lässt sich die Bezeichnung „Pikkolo“ für die neue 0,2 Liter Sektflasche  schützen. In Havana auf Kuba eröffnet die „Havana Club-Bar“. Viele Berühmtheiten kehren hier  ein und verbreiten den Namen „Havana Club“ in alle Welt. Im gleichen Jahr wird der  ausgeschenkte Rum als Marke bekannt. 1936 Der Hotelmanager Daniel Negret erfindet für seine Freundin Margarita den gleichnamigen  Cocktail. In Frankreich kommt die Orangina Limonade mit Fruchtfleisch auf den Markt  1937 Henkel Sekt macht Werbung für den Kullerpfirsich, eine so genannte Fancy-Bowle: Ein  ungeschälter, angestochener Pfirsich wird in einem Ballonglas mit Sekt aufgefüllt. Der Pfirsich  beginnt sich zu drehen. 1938 Da der Konsument ein trockeneres Produkt möchte, entwickelt Bénédictine den B+B.  Benedictine mit Brandy wird in Amerika der Renner und sogar in Flaschen abgefüllt. Erstmals  gemixt hatten es Barkeeper 1937 in der Bar „Twenty One“ in Manhattan. 1939 Aus Anlass eines Besuches des englischen Königspaars Georg IV und Elizabeth in Kanada,  wurde ein weicher, milder Whisky kreiert, der Crown Royal.  1942 Paul Nüsch, Barkeeper in der Bellevue Bar in Bern, erfindet den Horse’s Neck, einen Brandy  Highball. In Havanna eröffnet die „Bodeguita del Medio“.  1944 Trader Vic erfindet in Oakland den Mai Tai. Zwei Freunde aus Tahiti, Eastham und Carrie  Guild, beschreiben den namenlosen Drink als „ Mai Tai - Roa Aé “ = „ Nicht von dieser Welt - das  Beste “. 1945 Molinari produziert in der Nähe von Rom erstmals seinen Sambuca aus Anis und Holunder.  1946 Wodka wird in den USA zur Trendspirituose. Vorher lapidar als: “Schmeckt nach nichts und  riecht nach nichts“ abgetan, wird die bis dato kaum verbreitete und unbeliebte Spirituose für den  Moscow Mule, zum mixen verwendet und tritt so eine Welle los.   In Alborg entsteht am 15. Januar zum 100-jährigen Jubiläum des Taffel Aquavits der Jubiläums  Aquavit.  1947 Aus Kingston, Jamaica, wird erstmals das seit langem bekanntes Rezept “Tia Maria“ als  Likör  produziert und fortan weltweit exportiert. Die Firma Luxardo macht in Italien aus Maraska-  Kirschen fortan den Maraschino-Kirschlikör. Austin Nicols kreiert einen neuen Kentucky-Whisky:  den Wild Turkey. 1980 verkauft Nicols an Pernod-Ricard.  1948 In Venedig findet eine Ausstellung des Malers Giovanni Bellini statt. In der Harry’s Bar  kreiert Guiseppe Cipriani zu diesem Anlass den Bellini Cocktail, für den er frisches Pfirsichpüree  von weißen Pfirsichen mit Prosecco auffüllt. Eine reiche Amerikanerin namens Margarita Sames  erfindet den Margarita bei einer Weihnachtsfeier in Acapulco.                                                             1950 Mit Cynar wird erstmals ein Artischockenbitter auf den Markt gebracht.  Am 20. Dezember wurde die erste Barmixerprüfung in Deutschland durchgeführt. 8 Mixer mit  Kellnerlehre, einjähriger Mixerausbildung und anschließender langjähriger Praxis, meist in  internationalen Häusern, hatten sich angemeldet. Die Prüfung verlief erfolgreich, so dass ab 1959  die Barmixerprüfung regelmäßig in München abgenommen wurde. Der Vorbereitungslehrgang für  die Barmixer findet an der Bavaria Hotelberufsfachschule Altötting statt.    1951 Am 21.2. wird im Grand Hotel in Torquay, England, von 7 Nationen die International  Bartenders Association, kurz IBA, als Weltverband aller Barkeeper gegründet. Die Firma Pernod  bringt passend zum Jahr den Pastis 51 auf den Markt. Man trinkt ihn 5:1 mit Wasser verdünnt.  1953 Die I.B.U. hat nach den Wirren des Krieges endlich wieder ein geregeltes Verbandsleben.  Jedoch stellte man fest, dass sich in mehreren Ländern Europas Barkeeper-Organisationen  gebildet hatten, die sich einem Internationalen Dachverband anschlossen, der den Namen I.B.A.  trug. Im Juli nennt sich die Deutsche IBU in Hannover in DBU (Deutsche Barkeeper-Union e.V.)  um und schließt sich dem Weltverband, der IBA, an.  1954 In San Juan, Puerto Rico, wird an der Bar des Caribe Hilton die Pina Colada ein  Verkaufsschlager. 1955 wird in Amsterdam von der I.B.A. die erste „International Cocktail Competition, I.C.C.“  veranstaltet. Der erste Weltmeister ist Mr. Giuseppe Neri von der A.I.B.E.S. aus Italien  1957 Die Firma Riemerschmidt importiert den ersten Tequila (Tequila Silla) nach Deutschland.  Das mexikanische Nationalgetränk findet langsam seine Freunde. Wenig später importiert  Riemerschmidt  aus Brasilien lange seiner Zeit voraus den ersten Cachaca (Pitu). Die Firma ist  ebenfalls die erste, die Maracuja in Deutschland als Likör anbietet (Känguru). Auch  Grenadinesirup stellt Riemerschmidt nun her. Bis dato wurde an deutschen Bars hauptsächlich mit  Himbeersirup gearbeitet. Das erste Mixbuch der DDR „Wir mixen“ wird durch den VEB Leipzig veröffentlicht.  1958 Erstmals gibt es Schweppes Limonaden auf dem deutschen Markt. Im gleichen Jahr bringt  die Firma Eckes ‘Hohes C’, den ersten Orangensaft in Flaschen, auf den deutschen Markt. 1959 Revolution auf Kuba. Fidel Castro stürzt am 2. Januar den Präsidenten Batista und vertreibt  alle Kapitalisten von der Insel. Ein Jahr später (1960) verstaatlicht Fidel Castro die ansässige  Bacardi Brennerei, die daher Kuba verlässt und endgültig nach Puerto Rico ausweicht. Später wird  die Rumproduktion auf Kuba in die Hände der Havana-Club Destille gegeben. 1878 gegründet,  startet man langsam mit der Volksproduktion. 1993 folgt die Öffnung zum Weltmarkt.  Drambuie Whiskylikör wird durch die Firma Charles Hosie erstmalig 1959 in Deutschland  vertrieben. Der Drink „Rusty Nail“ (Scotch und Drambuie auf Eis) kommt dafür wie gerufen.  Fortsetzung: Von 1960 bis 2009