Historische Entwicklung der Barkultur Die Entstehung der heutigen Barkultur anhand von geschichtlichen Ereignissen, Errungenschaften und Gründungen  In Jahreszahlen seit Beginn unserer heutigen Zeitrechnung Von 1960 bis 2009 1960 In der DDR erscheint das Fachbuch „Wir mixen“. Die Italiener importieren den Likör Galliano  mit großem Erfolg in die USA. Die Firma Racke in Bingen bringt den deutschen Whisky „Red Fox“  auf den Markt. Er wird später in „Racke Rauchzart“ umbenannt.  1961 In Paris feiert die „Harrys Bar“ ihren 50. Geburtstag. Hier hat George Gershwin, die  Komposition „Ein Amerikaner in Paris“ geschrieben. 1921 ist dort der Club der Barfliegen (Barflys)  gegründet worden. Nach Harrys Tod 1958 übernimmt dessen Sohn Andy die Bar (Andy verstarb  1996). Ab 1983 übernimmt wiederum dessen Sohn Duncan, der Enkel des Gründers, die Harry’s  New York Bar. 1963 Der aus Mexiko City stammende Kaffeelikör „Kahlua“ wird nun auch in Deutschland verkauft.  1964 Die neue Sektmarke „Söhnlein Brillant“ wird auf dem deutschen Markt eingeführt.  1965 Die Danish Distillers stellen erstmals den Gammel Dansk Bitter Dram her. Die Guinness  Brauerei übernimmt den irischen Kollegen Killkenny. In New York eröffnet die erste Filiale eines  „T.G.I. Friday’s“ (TGI= Thank God it’s Friday). Als erste Fastfoodkette mit Bar werden Sie Urvater  des Showmixens später auch „Flairtending“ genannt. 1966 Von den im 18. Jahrhundert über 2000 stolzen irischen Destillen sind nur nach knapp 12  übrig geblieben. Diese schließen sich, um wieder voranzukommen, zur Irish Distillers Group  zusammen. Fast alle irischen Whiskeys werden von da an in einer großen Destillerie hergestellt.  Eine Entwicklung, die 1987 endet, indem wieder viele kleinere Destillen anfangen, selbst zu  brennen, da Irish Whiskey wieder gefragt ist. 1968 Erstmals wurde zum Gedenken an den Initiator Pieluigi Paissa, dem Generalinspektor von  Martini & Rossi, der heutige Martini-Grand-Prix, ein Wettbewerb für junge Barkeeper unter 28  Jahren, in Zusammenarbeit mit der I.B.A. ausgerichtet. Bis 1982 unter dem Namen „International  Prize Paissa“. Seit 1994 heißt er nun Bacardi Martini Grand Prix. Coca Cola löst die ‘Fanta klare  Zitronenlimonade’ durch die Marke ‘Sprite’ ab.  1969 Ein Surfer namens Harvey gewinnt ein Surf-Wettrennen. Auf der Party wird auf den  Screwdriver (Wodka mit Orangensaft), Galliano getan: Der Longdrink Harvey Wallbanger war  geboren. Er folgte gerade noch dem Trend der 50er und 60 er Jahre, als ‘Vodka’ (dt. Wodka) mit  Mischungen wie Screwdriver oder Black Russian das In-Getränk in den USA war.   1970 In Finnland starte die Produktion von „Finlandia Vodka“. In England kommt das „Keg“-Faß  für gezapfte Getränke auf. In Deutschland sind nur Degenfässer bekannt. 1971 Die Firmen Hennessy und Moet & Chandon fusionieren. Die Designerfirma Louis Vetton  schließt sich an und so gibt es seit 1988 die Großfirma LVMH.  1972 Tequila Sunrise wird absolutes Trendgetränk der Studenten in den USA. Dem Wodka folgt  nun der Tequilaboom. 1973 Die Firma ‘Gilbey’s of Ireland’ aus Dublin will vom national erfolgreichen Unternehmen zum  internationalen Markenhersteller avancieren und erforscht den Markt. Aus den Ergebnissen  entwickelt die Firma im Labor den Likör „Baileys“, heute ein Verkaufsschlager in über 160 Ländern  der Erde. Enthalten sind: irischer Whiskey, Sahne von irischen Kühen, Vanille aus Madagaskar und  die Coca-Bohne aus Westafrika (Kurz: Irish Cream aus Vanille, Kakao und Whiskey). Seit 1850 gibt  es bereits einen Pub in Dublin, der ‚The Bailey‘ heißt und sogar schon in berühmten Romanen, z.B.  von James Joyce eine Rolle spielte  1974 Die Einführung der Kokos-Creme COCO-TARA ermöglicht erstmals die Herstellung von  Kokosdrinks in Deutschland. Seit 1948 wird Coco-Tara in der Dominikanischen Republik fabriziert.  1975 Die Firma Riemerschmidt importiert erstmals den Erfolgsschlager Pitu Cachaca nach  Deutschland. Linie Aquavit wird auf den deutschen Markt gebracht und in den speziellen  Trondheim-Kelchen serviert. Die ersten (Bar-) Frauen werden in die I.B.A. aufgenommen. Erst  zehn Jahre später, nämlich 1985, treten die ersten Frauen in die DBU ein. Die Firmen Pernod und  Ricard gründen die Gruppe Pernod-Ricard.  1976 Southern Comfort, der ‘Grand old Drink of the South’, wird erstmals in Deutschland  vertrieben. Auf der Flasche ist der Name eines Barkeepers zu lesen: M.W. Heron.   1978 Die Marke Batida de Coco wird auf dem deutschen Markt angeboten und entwickelt sich zum  Marktführer im Bereich Kokosliköre. Heute wird dieses brasilianische Getränk europaweit in Italien  hergestellt. 1979 Absolut Vodka aus Ahus startet 100 Jahre nach Gründung auf dem Vodka-Mark, dank neuer  Werbe-Methoden voll durch. 1980 Auf dem deutschen Markt beginnt mit Baileys (erstmals 1975 in Großbritannien verkauft) die  große Schwemme der Cream-Liköre (Höhepunkt in den 90’ern). Der Kokoslikör Malibu wird  komponiert. Riemerschmidt bringt einen Kokossirup auf den deutschen Markt. Pusser’s Rum ist  erstmals auf dem freien Markt für Nicht-Marineangehörige erhältlich.  1984 Die holländische Firma De Kuyper führt die Innovation ‘Peachtree’ erst in die USA ein. Der  Longdrink „Fuzzy Navel“ verhilft zu einem sensationellen Erfolg der neuen Likörmarke. Mitte 1986  ist Peachtree erstmals in Deutschland zu haben ist. Die Firma Diebels führt das Keg-Faß in Deutschland ein. Bis dato gab es nur die Stichfäßer in die  ein „Degen“ eingeführt werden musste. Nun wird der der Anstickkopf auf das Faß aufgedreht,  später aufgeschoben. Erstmals werden Frauen als DBU-Mitglieder zugelassen. 1984 Die Firma Pernod-Ricard übernimmt die Marke Ramazzotti. Charles Schumann bringt  „Schumann’s Barbuch“ auf den Markt und erzeugt eine neue Kreativ-Welle in der deutschen  Barlandschaft. 1987 Der Österreicher Dietrich Mateschitz kommt auf die geniale Idee Wasser mit viel Werbung,  Zucker, Taurin und Koffein zu mischen. Der neue Energy-Drink „Red Bull“ ist geboren. Anfangs füllt  die Fruchtsaft-Firma Rauch die Trend-Limonade im Auftrag ab.  1988 Bombay Sapphire Gin wird entwickelt. Michel Roux, der auch Absolut Vodka nach Vorne  brachte, konzepiert einen neuartigen Gin mit vielen Aromen. Der Film Cocktail mit Tom Cruise in  der Hauptrolle und Bryan Brown als Nebendarsteller kommt in die Kinos.  1989 In Frankreich wird vom Bildungsministerium der Beruf „Barmann“ offiziell zum  Ausbildungsberuf gemacht. 10 Hotelfachschulen des Landes, die teilweise auch schon vorher das  Berufsbild vermittelten, werden nun mit der geregelten Ausbildung des Berufsnachwuchses  beauftragt. Wer Barmann werden möchte, muss die schulische Ausbildung als Kellner bereits  bestanden haben. 1990 Erstmals ist Blue Curacao Sirup auf dem Sirupmarkt erhältlich. Dem Fruchtsirup folgt nun  allgemein der ‚Barsirup’. Er hat weniger Frucht um zügiger zu Arbeiten. Der Geschmacks-Nachteil  wird durch eine zusätzliche Aromatisierung ausgeglichen. 1993 Die Firma Pernod-Ricard schließt einen Vertag mit dem Regime von Fidel Castro auf Kuba  und übernimmt die weltweite Vermarktung von Havana Club Rum. Ein Siegeszug beginnt.   1994 Im März findet in der Bavaria Hotelfachschule, Altötting, wieder eine Barmixer- und  Barmeisterprüfung statt. Unter anderem legt der 100. deutsche Barmeister, eine Frau, seine  Prüfung ab. Ich bin stolz an diesem Kursus teilgenommen zu haben und danke besonders Herrn  Seevogel für die Ausbildung. In England beginnt die Wiedergeburt der Cocktailkultur. Viele tolle  Bars mit trendigen Rezepten u.a. mit Cranberry und anderen neuen Zutaten eröffnen  in London. 1996 Der Getränkemarkt produziert immer mehr fertige Mischungen. Wodka Gorbatschow gibt es  nun fertig mit Bitter Lemon in der Dose.  1997 Die Firma Guinness gründet zusammen mit der Firma Grand Metropolitan das Getränke-  Imperium DIAGEO.  1998 Ein unbedeutender Barkeeper aus Bad Zwischenahn gründet seinen Cocktailservice. Er  sichert sich die Domaine www.shaker-online.de und verbreitet fortan auf Veranstaltungen aller Art  feine Drinks und Barkultur.  In Rostock gründet Uwe Voigt das American Cocktail College und legt den Grundstein für die  Barschule Rostock. Nach der bedauerlichen Schließung der Bavaria Hotelfachschule Altötting  werden nun Barmeister und Barmixer exklusiv an der Ostsee ausgebildet. 1999 In Hannover feiert die Deutsche Barkeeper Union (DBU) ihr 90-jähriges Jubiläum.  2000 Dooley’s, ein neuer Vodka-Toffee-Likör von der Firma Behn aus Eckernförde kommt auf den  deutschen Markt. Nachdem man schon mit dem kleinen Feigling, einem Wodka-Feige Likör, für  Aufsehen gesorgt hatte, versucht man nun dem Baileys Marktanteile zu entreißen.  Der Film „Coyote Ugly“ mit tollen Barszenen kommt in die Kinos.  2001 Dirk Verpoorten startet seine Firma DV7 und sucht mit seinen Sirupen sofort engen Kontakt  zur DBU.  2003 Aus Berlin kommt erstmalig ein neues Magazin für Barkultur: Mixologie“. Das Heft von Jens  Hasenbein und Helmut Adam sorgt für frischen Wind in der deutschen Barszene. Die Firma Bols  sucht bewusst Kontakt zu den Machern von Mixologie und die Bols Barcoachings entstehen. Auf  diesen neuartigen Schulungen hab ich viel dazu gelernt. Danke! 2004 Vom 2. September bis zum 16. Oktober findet in der Landesbibliothek Oldenburg die  Ausstellung „Cocktails und Ihre Geschichte“ statt. Hans Beelen (Carl-von-Ossietzky-Universität  Oldenburg) stellt die Kulturgeschichte der Cocktails auf amüsante und lehrreiche Weise vor. Seine  Privatsammlung an Cocktailbüchern und ergänzende Exponate werden später auch noch im  Museumswinkel in Leeuwarden (Niederlande) gezeigt. 2005 Das Molekulare Mixen hält Einzug in einige Bars. Abgeleitet aus der Molecular Cuisine wird  nun an der Bar mit Temperatur, Textur, Konsistenz und Schaum gearbeitet. Old fashioneds werden  in Spritzen aufgezogen, Gin Tonics mit Gelatine eingefroren, Drinks werden im Ofen zu Schaum  gebacken oder sogar zu Pulver dehydriert und anschließend als Zuckerwatte gereicht.  Cosmopolitan gibt es als Spuma aus dem Siphon. Flüssiger Barbecue (BBQ)-rauch wird in Drinks  eingearbeitet. Klassische Grundrezepte werden dekonstruiert und die ähnliche molekulare  Grundstruktur von Parmesan und Honig oder Bananen und Petersilie verspricht neue Drink-Ideen.  Neben Kenntnissen in Chemie, Biologie und Physik ist meiner Meinung auch die Psychologie hier  sehr wichtig. Denn mit einem Irish Coffee, den Egg-Nogs, Flips und einem schaumigen Ramos Gin  Fizz hatten wir diesen Trend schon einmal, oder? 2006 Barkeeper aus aller Welt feiern ein großes Jubiläum: „200 Jahre Cocktail“. Durch das  Internet und viele ‚Blogs‘ tauschen sich nun Fachleute aus Amerika, Deutschland sowie überall auf  der Welt in kürzester Zeit über Thesen und Meinungen aus. Man ist sich einig fortan jedes Jahr am  13. Mai einen World Cocktail Day zu feiern. In München gründen die Barmixer Stephan Berg und  Alexander Haug die Manufaktur für Bitter und Spezial-Spirituosen „The Bitter Truth“.   2007 Schöfferhoffer Brauerei landet mit „Weizenbier + Grapefruit“ einen Riesenerfolg bei den  Biermixgetränken.  2008 Bols Genever kehrt zurück. Der Holland Gin soll die gerade „Angesagte“ Wiedergeburt der  Cocktailklassiker unterstützen. 2006 war die Firma Bols wieder an seinen alten Stammsitz nach  Amsterdam zurückgekehrt.  2009 In Berlin feiert die DBU mit Kollegen aus vielen Ländern ihr 100-jähriges Verbandsjubiläum.  Passend dazu ist man Gastgeber der Cocktailweltmeisterschaft.