Cocktails und ihre Geschichte
Eine Ausstellung vom 2.9. bis 16.10. 2004
in der Landesbibliothek Oldenburg
Ausstellung zusammengestellt von Hans Beelen (Uni Oldenburg)
Die
Ausstellung von Hans Beelen zeigt über 100 Exponate und alle wichtigen Cocktailbücher
der Welt. Die Eröffnungsveranstaltung am 2. September mit knapp 100 Gästen durfte
Shaker mixen. Neben vielen Klassikern gab es zwei Eigenkreationen (speziell
für diesen Tag kreiert) auf der Barkarte.
| bei der Zubereitung
seines "Blue Blazers".
|
![]() Das offizielle Plakat zur Ausstellung |
der die tolle Ausstellung ins Leben gerufen hat
|
Grußworte gab es von der Hudson Bar in Berlin. Besitzer Willi Haase hat neben Hans Beelen eine der größten Cocktailbuchsammlungen Deutschlands. Mit Musik von Jan Schröder am Klavier und dank der Unterstützung von Heiko Koch und der Firma Maxxium Deutschland (Absolut Vodka, Cointreau, Galliano, Jim Beam,...) wurde die Eröffnung zu einem vollem Erfolg.
Wer nicht in Oldenburg in den Genuss der Ausstellung kam, hat noch bis zum 31.3. 2005 in Holland die Gelegenheit. Der Museeumswinkel Leeuwarden zeigt die interessante Ausstallung.
![]()
Die Entstehung der heutigen Barkultur anhand von geschichtlichen Ereignissen, Errungenschaften und Gründungen
In Jahreszahlen seit Beginn unserer heutigen Zeitrechnung (n.Chr. Geburt):
14-37 n.Chr. Geburt Zur Zeit des römischen Kaisers Tiberius schreibt Apicius bekannte Speisen und Getränke Rezepte und seine Bücher nieder. Dort sind die erste Bowlen - Rezepte der Römer, z.B. die Rosenbowle, und andere weinhaltige Getränke niedergeschrieben worden.
850 In Abessinien, südlich dem heutigen Äthiopien in der Landschaft Kaffa, entdeckt ein Ziegenhirte, wie Ziegen die von Kaffeesträuchern heruntergefallenen Früchte mit Vorliebe verschlingen. Um 1000 war die anregende Wirkung dieser Früchte mit heißem Wasser aufgebrüht, bei Arabern bekannt.
1000 In Russland erhebt man erstmals Steuern auf aus Weizenbrot vergorenen Brotwein.
1050 Das Heilmittel „der gebrannte Wein“ wird geboren. Bis dato gab es nur schwachprozentigen Alkohol durch Fermentation von Früchten, Pflanzen oder Getreide. Zum ersten Mal wird durch Destillation der „Geist des Weines“ in ein Gefäß gebannt. Die arabischen Parfümhersteller erwärmten schon um ca. 800 den Dattelwein und fügten davon einige Tropfen ihrem Duftwasser hinzu. Das Wort Alkohol stammt aus dem arabischen „Al kuhl“. Die Araber, denen der Koran den Alkoholgenuß verbietet, haben somit die europäische Trinkkultur maßgeblich geprägt.
1250 Die Destillation des gebrannten Weines kommt über die Apotheken, die lange Jahre das Alkoholmonopol innehaben, von Italien nach Deutschland. In den Alchemistenküchen konnte mit Hilfe einer „Kühlschlange“ der Geist des Weines nach Erhitzen eingefangen werden. Vorerst durch Wunderglauben vieler Menschen an die Heilkräfte des gebrannten Weines, nur in den Apotheken und bei Geistlichen verbreitet, gelangt der gebrannte Wein später als Genuß- und Rauschmittel in die breite Bevölkerungsschicht.
1263 Louis der IX, St. Louis genannt, (*1226, †1270), erhebt die Anismedizinhersteller (Infusion, Mazeration) zu „ Anysetiers de Roi“.
1276 Erste urkundliche Erwähnung der irischen Old Bushmills Brennerei. Irische Mönche sollen die Getreidedestillation von Irland nach Schottland übermittelt haben. Bushmills erhielt 1608 die Brennlizenz (s. dort). Henry II soll 1170 schon einen Getreidebranntwein aus Irland nach England gebracht haben.
1280 Marco Polo bringt Berichte über Tee von einer seiner Chinareisen mit nach Venedig (Venezien).
1321 Erstes Dokument in Deutsch über gebrannten Wein.
1332 Die „Liquori“ aus Venedig werden erstmals erwähnt als ein süßes Gebräu, das stark duftet und mit Rosenblättern aromatisiert wird.
1350 Urkunden belegen eine erste Wodkaherstellung in Schweden. Unabhängig davon stellen die Polen „natürlich“ als erste den Wodka her, noch vor den Russen. Die wiederum sagen, daß in Rußland schon seit dem 10. Jahrhundert strenge Vorschriften für die Herstellung von Lebenswasser = Zhiznennia Voda, abgekürzt Vodka, galten.
1395 Der Stammbaum verrät es: In der Urschwyz werden von der Familie Fassbind Kirschbäume kultiviert und Kirschwasser gebrannt. Erst 500 Jahre später, 1895, gibt es aber eine offizielle Firmengründung.
1417 In der Klosterbibliothek zu Fulda findet man die aus der Zeit des Kaisers Tiberius (14 bis 37 n. Chr.) stammenden und seit Jahrhunderten verschollenen 8 Bücher des Apicius. Dort sind die erste Bowlen - Rezepte der Römer, z.B. die Rosenbowle, niedergeschrieben worden.
1431 Die Stadt Cognac wird von Engländern besetzt. Der dort angebaute Wein wird von den Engländern mit Weinbrand versetzt. So läßt er sich besser verschiffen, ist auf Reisen länger haltbar und schmeckt sogar besser.
1445 Auf der 1418 von Joao Gonzalves Zarco entdeckten Insel Madeira werden erstmals die von Heinrich dem Seefahrer aus Kreta mitgebrachten Reben angepflanzt.
1453 Seit 1154 gehörte Bordeaux durch Belagerung zur englischen Krone. Nach dem 100 jährigen Krieg wird die Hafenstadt 1453 endlich wieder französisch. Durch die englische Verschiffung ist ein florierender Handel und eine weite Verbreitung von Bordeauxweinen und anderen französischen Produkten entstanden.
1461 In Armagnac, Cascogne, wird erstmals das Brennen von Wein dokumentiert.
1492 Amerika wird entdeckt. Am 11. Oktober erreicht Christoph Kolumbus nach 33 Tagen auf See bei der als Indienreise geplanten Fahrt, erstmals die Antilleninsel Hispaniola.
1494 Auf seiner zweiten Reise bringt er Zuckerrohrstecklinge mit in die „Westindies“. Um 1520 gibt es dort bereits eine erste große Zuckerrohrplantage. Ebenfalls aus 1494 stammt die älteste, existierende Eintragung über Scotch in der „Scottish Exchequer Roll“, des schottischen Schatzamtes. Dem Mönch John Cor wird die Erzeugung eines Whiskeyähnlichen Getränks zugesagt, für das er „Acht Bollen Malz“ benötigte, um „Aqua Vitae“ herzustellen.
1510 In einem Benediktinerkloster in Fecamp, Frankreich, bereitet Bruder Bernardo Vincelli (aus Venedig stammend) ein Elixier, aus dem der Klosterlikör Bénédictine entstehen wird. Das Kloster fällt 1789 der Revolution zum Opfer. Die Mönche konnten aber alle Bücher und Papiere in Sicherheit bringen. 1863 erbt Monsieur Alexandre Le Grand das Papier mit dem Elixier Rezept und von da an wird Bénédictine als Klosterlikör richtig hergestellt und vermarktet.
1516 Herzog Wilhelm der IV von Bayern erläßt am 23. April in Ingolstadt das Reinheitsgebot für Bier.
1525 In Saronno schenkt eine junge Witwe dem Maler Bernadino Luini, einem Schüler von Leonardo da Vinci, aus Entzückung über dessen Freskenarbeit in der Kirche Sanat Maria delle Grazie, ein Tongefäß. Dieses enthält einen dunklen Mandellikör: Der erste Amaretto di Saronno. Das Rezept für den Extrakt, u.a. aus Aprikosenöl, 17 Früchten und Kräutern, ist im Besitz der Familie Reina aus der Lombardei und wird seit Generationen weitergegeben.
1528 Die ersten Kakaobohnen gelangen aus Mexiko an den spanischen Hof. Cortez brachte sie von dort mit, nachdem er von den Azteken ein Getränk namens Xoxolate serviert bekam.
1540 Der Julep (arabisch: julap) wird in Kochbüchern erwähnt.
1544 Der „Blanquette de Limoux“ soll in Südfrankreich durch die zweite Gärung eines Weines, als erster Schaumwein überhaupt, hergestellt worden sein.
1550 Professor Franciscus Sylvius de la Boe stellt in Leyden/Holland das Wacholderdestillat „Essence de Genièvre“ her, um die holländischen Kolonisatoren vor tropischen Fieberanfällen zu bewahren. (Frz. Name: Francois de La Boe, dt. Name: Franziskus Sylvius de Bove, 1650)
1554 Das erste Kaffeehaus wird in Istanbul eröffnet.
1557 Erven Lucas Bols startet in der Rosengrecht in Amsterdam seine Likörherstellung.
1580 In Hamburg wird unter holländischer Regie eine Rumbrennerei geführt. Im gleichen Jahr ziehen sich die Araber aus Südspanien zurück und gehen nach Nordafrika. Sie hinterließen wichtige Dokumente, mit deren Hilfe die einheimischen Jesuiten, eine Destillerie in Jerez de la Fronterra errichten konnten.
1588 Untergang der spanischen Armada. Die Armada von Phillipe dem II rückt mit 130 Schlachtschiffen von Lissabon nach England aus. 2 Monate später erreichen nur noch einige wenige Schiffe ihren Heimathafen. Die Engländer und die stürmische See hatten zugeschlagen. Selbst die majestätische „Santa Maria El Calvador“ zerschellte im Spätsommer an den Klippen vor der Küste der Normandie und gibt dem dortigen Cidrebranntwein seinen heutigen Namen. Der Normane Gilles de Gouberville, ein adeliger Landwirt aus Mesnil-en-Val, hatte 1553 zum ersten Mal ein Eau-de-vie aus Cidre gebrannt. Ebenfalls 1588 bringt Sir Francise Drake aus der belagerten spanischen Stadt Càdiz, erstmals den Sherry mit nach England.
1598 Auf der Flucht vor Herzog Alba verschlug es den Holländer Ambrosius Vermöllen 1567 von Spanien nach Danzig. Im Gepäck hatte er eine Sammlung überlieferter Rezepte, die Basis zur Gründung einer Likörfabrik. Die offizielle Erlaubnis dafür erhielt er 1598. Neben Edelbitter und Kirschlikör wurde ein Kräuterlikör gebraut und mit 22karätigem Gold veredelt: Das Danziger Goldwasser, das damals als Güldenwasser und Getränk der Fürsten und Könige bekannt war. 1922 wird die Produktion verlagert. Heute wird Danziger Goldwasser in Hardenberg hergestellt.
1605 In Frankreich erhalten die Brüder des Mönchsordens St. Bruno im Grand Chartreuse Gebirge nahe Grenoble vom Marschall Francois d’Estrées das Rezept für einen Kräuterlikör, dem Elixier Végétal. Seit 1764 stellen die Brüder den Chartreuse Verte und seit 1838 den Chartreuse Jaune her.
1608 Die irische Brennerei Bushmills erhält die erste offizielle Lizenz zur Whiskeyherstellung. Auf der Flasche steht heute noch: Whiskey aus der ältesten Whiskeydestille der Welt.
1611 Jacques I., König von England, ruft eine ritterliche Vereinigung, der auch Whiskybrenner angehören, ins Leben. Hieraus entsteht später der Kreis der „Big Five“, der 5 größten Destillen. Ihr gehören heute an: Buchanann, Dewar, Logan-Mackie, Haig und Walker. Nennt sich DCL Gruppe (Distillers Co. Ltd).
1620 Am 11. November legt die Mayflower mit den Pilgrem Fathers in Southampton Richtung Amerika ab. Die Besiedlung Amerikas über die Gründerstädte Boston, New York (in den ersten Jahren unter Holländern noch New Amsterdam genannt) und Philadelphia ist in vollem Gange. Der Chevalier de la Croix Maron, der in der Nähe von Cognac lebt, findet im Weinkeller seines Gutshauses La Brée ein altes Fass mit Weindestillat. Als er davon kostete war er überwältigt. Der Cognac war geboren. Diese Story wird gerne von Franzosen erzählt, wenn es um die Entstehung von Cognac geht. Doch leider können sie den Einfluss der Engländer, knapp 200 Jahre vorher, nicht leugnen (siehe 1431). Cognac wird als „Eau-de-vie-de-Cognac“ erstmals 1726 mit seinem heutigen Namen versehen.
1622 Peter Minneuit (* 1580, † 1626), niederländischer Gouverneur der Kolonie Neu-niederlande in Amerika, gelingt es, mit einer Mischung aus Rum, Wasser, Ingwer und Salz, die Manhattan Indianer zu berauschen. Er traktiert sie damit solange, bis sie ihm für umgerechnet 24 Dollar und ein paar Glasperlen die Flußinsel des Hudson River verkaufen, auf der heute die teuersten Appartements der Welt stehen: Manhattan.
1627 Robert Haig gründet seine Whiskyfirma. (Heute kommt aus der ältesten Scotch Destillerie der Welt u.a. Dimple).
1634 Die Antilleninsel Curacao vor Venezuela wird von den Niederlanden in Besitz genommen. Die Bitterorangen (Pomeranzen) die auf der Insel wachsen, werden zur Likörherstellung verwendet. Curacao war und ist heute noch Lieferant und Namengeber für zahlreiche Orangenliköre wie Blue Curacao, Curacao dry, ...
1640 Urkundliche Erwähnung eines Whiskeys aus einer Roggen- und Geneverbrennerei in Staten Island, Nordamerika (in von Holländern eroberten Gebieten!).
1643 Die englische Obrigkeit um König Karl I. versucht den Whisky „ und jedes Pynt Aquavytie, das im Land verkauft wird“, zu besteuern. Mit wenig Erfolg. Es wird noch mehr, dafür aber „schwarz“ gebrannt.
1654 Das erste Café wird in Marseille eröffnet. Entstanden durch den Einfluß der Türken. Sie hatten das Getränk (türkisch Kahve ausgesprochen) und die passenden Räumlichkeiten dafür schon etwas kultiviert. In Italien als Caffe bekannt, in der arabischen Welt als qhawa, zog es nun durch Frankreich. 1672 eröffnete dann das erste Kaffe in Paris. Knapp drei Jahrzehnte später, um 1716, gab es über 300 Cafés in Paris.
1655 Bei der englischen Marine (Navy) wird die Rumsorte „Pussers“ erstmals getrunken. Die Portionen wurden vom Zahlmeister (=Pusser) ausgeteilt. Bis 1970 gab es auf allen Schiffen der Royal Navy täglich einen halben Pint davon als Tagesration.
1663 Auf Barbados wird ein Vorgänger der Mount Gay Rumdestillerie erstmals urkundlich erwähnt. Der Rumhandel nimmt zu.
1680 Englische Weinkaufleute geben dem Portugiesischen Rotwein Weindestillate hinzu, um ihn so für lange Transporte über Land und Meer nach England haltbar zu machen. 1703 gerät Portugal unter englische Herrschaft. Der Weinhandel mit portugiesischem Wein wurde durch Zollbegünstigungen für Händler sehr interessant. Aus diesem Grund tragen noch heute die meisten renommierten Portweinhäuser englische Namen (Taylor, Cockburn, Delaforce, etc.).
1683 Die Türken werden vor Wien zurückgeschlagen. Die ersten Wiener Kaffeehäuser eröffnen nach der türkischer Belagerung von 1683 bis 1699.
1685 Coow-Woow, angeblicher Vorgänger des „Manhattan Cocktails“, wird urkundlich erwähnt. (Siehe auch 1622)
1689 König Wilhelm III. von Oranien wird in England König und bringt aus seiner Heimat Holland den Genever mit. Die Entwicklung des Gins nimmt seinen Lauf.
1694 Edward Russel, englischer Admiral der 6000 Mann starken Flotte seiner Majestät, läßt am 25. Oktober in einem Mamorbassin in seinem prunkvollen romantischen Park, einen Punsch anfertigen: 8 Fässer Rum, 8 Fässer Wasser, 80 Maß Zitronensaft aus 2500 Zitronen, 30 Zentner Zucker, 10 Fäßchen Malaga, 5 Pfund Zimt und Muskat. Das Fest damit dauerte eine Woche. (US Version 1685. Französische Version 1599 nennt Nachnamen Kennel.)
1695 In Schiedam in Holland beginnt De Kuyper mit der Genever- und Likörherstellung. Heute ist er der größte Likörproduzent der Welt.
1698 Der Mönch Dom Perignon (* 1638, † 1715) arbeitete als Kellermeister in einer Benediktinerabtei bei Hautvillers und entdeckte mehrere Bereicherungen für den heute weltberühmten Schaumwein aus der Champagne. Ihm gelang es, die Kohlensäure dauerhaft im Wein zu lassen. Er führte die ersten ‘Vermählungen’ verschiedener Champagnerweine durch. Mit Korken statt Hanf-Pfropfen und dickwandigen Flaschen kam man nun öfters in den Genuß eines „Champagners“. Im gleichen Jahr wird der Ratafia in Frankreich sehr gängig. Die Leute vermischen ihr selbst gebranntes Eau-de-vie mit Traubensaft. Ratafia ist ein kreolisches Wort, das aus den alten französischen Gebieten (Antillen, Reunion) kommt.
1707 Queen Anna, Herrscherin über die britische Insel von 1702 bis 1714, macht aus England und Schottland Großbritannien und belegte alle ausländischen Spirituosen mit enormen Prohibitivzöllen. Der Gin blieb abgabenfrei und startet in England seinen Erfolgszug. Die Blütezeit der Gin Palaces beginnt.
1715 Die Weinbrennerei Martell wird in der Stadt Cognac gegründet.
1721 Erstes Kaffee in Berlin. Um diese Zeit gibt es bereits 500 Kaffeehäuser in London. Für die Gäste steht in englischen Cafés eine Schachtel mit der Aufschrift „TIP“, die Abkürzung für: To Insure Promptnes.
1724 Remy Martin beginnt ebenfalls in Cognac mit der Branntweinherstellung.
1726 Einige portugiesische Weinhändler gründen die Vereinigung der Oporto-Weinhändler, zur gezielten Vermarktung ihres gerade in England sehr gefragten Weines. Englische Kaufleute reisen nun immer öfter nach Oporto, um Wein zu kaufen.
1729 Das Haus Ruinart beginnt mit der Champagnerherstellung in Reims. Man nennt sich heute die älteste Champagnerkellerei der Welt. Mit den Erfahrungen von Dom Perignon (s.o.) folgt 1743 die Kellerei Moet & Chandon. Sie ist heute weltweiter Marktführer.
1740 Am 4.8. befiehlt der Britische Admiral Vernon (1684-1757), Rum mit Wasser zu verdünnen. Der Grog entsteht.
1743 Das englische Parlament erläßt mit dem „Gin Act“ ein Gesetz gegen das übermäßige Gintrinken, da durch schlechte Qualitäten, immer mehr Menschen ihr Leben verlieren. Gin, der nicht von guter Qualität war, wurde deswegen oft gemischt. 1751 wurden dann sehr strenge Qualitätskontrollen für Gin eingeführt. Der Gingenuß stieg von umgerechnet 2,5 Millionen Liter im Jahr 1690, auf 25 Millionen Liter im Jahr 1729 (laut alten Aufzeichnungen). In Holland wird 1743 erstmals der Boonekamp Bitter hergestellt.
1745 Das Drambuie-Rezept tauscht seinen Besitzer. Die Ultimative Schlacht der schottischen Clans gegen die englische Armee, die zeitgleich in Frankreich kämpft. „Bonnie“- Prince Charles Edward Stuart erhebt sich ohne Erfolg gegen die englische Krone. Er flüchtete mit Hilfe seines treuen Gefolgsmann, Captain John Mac Kinnon auf die Insel of Sky. Diesem vermachte er aus Dank für die Gefolgschaft das Rezept des Whiskylikörs mit Honig und Kräutern. Drambuie bedeutet: „ein sättigender Trunk, oder das Getränk, das zufrieden macht = An Dram Buidheach“. Erst 1892 verläßt die Rezeptur die Insel, wird gleich registriert und seit 1906 von der Familie Mac Kinnon in Edinburgh hergestellt. Nur ein Mac Kinnon pro Generation darf sich Hüter des Rezeptes nennen.
1750 Auf der kleinsten Insel der großen Antillen, Puerto Rico genannt, werden die ersten Grapefruits geerntet. Ihren Namen haben die Früchte von dem Wort Grappe = Traube, da sie nicht wie Orangen oder Zitronen einzeln wachsen, sondern wie Weintrauben dicht an dicht in Reben. (Engl. Grapefruit = Pampelmuse) Das Wort „Whiskey“ wird erstmals in ein Wörterbuch aufgenommen (Samuel Johnson).
1753 Auf Madeira beginnt man Wein und Branntwein für ein einheimisches Getränk zu vermischen. 1745 hatte der Engländer Francis Newton spürbare Verbesserungen und Methoden in den Weinbau auf Madeira gebracht. (Siehe 1445)
1755 Die Stifts-Krankenschwester Marie Brizard, 1714 in Bordeaux als Tochter eines Böttchers geboren, bekommt von einem reisenden Seemann als Dank für gute Pflege, das Rezept eines Aniselixirs geschenkt. Daraus stellte sie ihren ersten Likör her und gründete ein Unternehmen. Als sie 1801 starb, übernahm ihr Neffe Jean Baptiste Roger die Geschäfte.
1757 Die Weinkellerei Cinzano wird in Norditalien gegründet.
1758 Die Berentzen-Brennerei in Haselünne, Emsland, entsteht.
1760 Bommerlunder Aquavit wird in Holstein, in der ehemals dänischen Stadt Flensburg, erstmals hergestellt. Ein verwundeter Reiter hinterließ aus Dank für gute Pflege das Rezept für den Kümmelbrand an Peter Schwennesen, dem Wirt des „Krugs von Bommerlund“. 1911 übernahm die Firma Dethleffsen Rezept und Marke.
1765 Der aus Cork, in Südirland stammende Richard Hennessy beginnt in Cognac mit der Cognacproduktion. 1860 ist Hennessy das erste Haus, welches sich entschließt, den gefragten Cognac nicht mehr in Fässern, sondern nur noch in Flaschen zu exportieren.
1769 Der Schotte Alexander Gordon baut in London die Gordon’s Gin Destillerie.
Pierre und Jean Get entwickeln in Frankreich ein Rezept für einen Likör auf Minzbasis: Peppermint Get oder „Get 27“.
1772 Der Engländer Thomas Osborne gründet das Sherryhaus Osborne in Andalusien. Der schwarze Stier als Firmensymbol ist heute in aller Welt bekannt.
1773 Der Händler Antonio-Bernandino Carpano arbeitet in Turin an einem dunklen, bitteren Weinaperitif. Er nennt es zusammen mit dem Erfinder d’Alessio „Vermouth“. Erstmals 1786 als fertiges Produkt verkauft. In Amerika gibt es 1773 die „Bostoner Teeparty“. Man lehnt sich gegen die hohen Steuern für Tee und Melasse (zur Rumherstellung nötig) auf.
1775 Der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg tobt bis 1783. Franzosen und Engländer, Nord- und Südstaaten bekämpfen sich. Die Franzosen verlieren ihre Gebiete an die Engländer und Lousiana schon 1756 bis 1763 an die Spanier.
1776 Mehrere Eintragungen und Geschichten über Frau Flanagan, die in der näheren Umgebung von New York, erste Verdienste mit Cocktails macht. Im gleichen Jahr Unabhängigkeitserklärung der neuen Kolonien in Nordamerika.
1780 Der Ire John Jamson gründet in Dublin eine Whiskeydestille. Entstehung des Namens Cocktail, definitiv in Amerika währrend des Unabhängigkeitskrieges. Man kann streiten ob nun in englisch oder französisch beeinflußten Gebieten. Bilden Sie sich ihre Meinung. Da gäbe es die Geschichte von:
-„on the Cocks tail“ Drink für den Sieger von Hahnenkämpfen. Dem Besitzer des siegreichen Hahnes wurden die Schwanzfedern des Unterlegenen überreicht. Auf den Sieg stieß man „On the Cock’s tail“ an.
-„Vive le coq ´s tail“ Betsy Flanagans Drink in ihrer Taverne. Die Soldatenwitwe unterhielt 1776 in Elmsford, Yorktown, eine Gaststätte, in der überwiegend französische Offiziere verkehrten. Diese Offiziere zogen die Wirtin liebend gerne mit einem Engländer auf, der in der Nachbarschaft Hühner züchtete. Um dem Gerede über die Schwärmerei für diesen Engländer zu beenden, rupfte sie dessen Hähnen die Schwanzfedern aus und servierte sie den Offizieren als Dekoration für ein Getränk. Diese stießen mit den Worten „Vive le coq’s tail“ an.
-„Tochter Xoctl“ von dem mexikanischen König Axolotl VIII, deren Namen die amerikanischen Soldaten der Südstaatenarmee nicht aussprechen konnten und ihn daher in Cocktail umwandelten. Diese Tochter servierte bei Friedensverhandlungen, in einem kritischen Moment zwischen dem König und dem General, einen Trunk, der die Verhandlungen positiv beeinflusste. (Meine Meinung: Der Name der mexikanischen Königstochter, die auch mal Prinzessin Xochitl genannt wird, befasst sich in Wahrheit mit Saft der aus Kakteen gewonnen wird und gehört damit zu den Geschichten über Tequila)
-Tochter Bessie 1779, für denjenigen, der dem Wirt seinen besten Kampfhahn wiederbringt, der schon so viele Schaukämpfe gewonnen hatte. Die Tochter schüttete in Erwartung ihres zukünftigen Gatten mehrere Zutaten in ein Glas. Die Gäste nannten diesen Aufregungsshake dann Cocktail. (Meine Meinung: schlechte Abwandlung der Flanagan Story durch zuviel Weitererzählen)
-Antoine Amedée Peychaud, junger kreolischer Flüchtling aus Santo Domingo, besaß in New Orleans an der Royal Street 437, einer Parallstrasse zur Bourbon Street, eine Apotheke. Hier machte er sich 1795 nicht nur bei den Kranken einen Namen sondern auch bei seinen Freunden, den ‘Adepeten’ (=Logenbrüder der Freimaurergesellschaft), die die heilenden Getränke Peychauds liebten. Besonders mit einem Bitter nach Familienrezept (Brandy, Zucker und etliche Gewürze) war die Apotheke sehr erfolgreich. Der Mix wurde nach einem Eierverkäufer Coquetier oder auch Coqutel genannt. Daraus soll dann, über das Wort Coktié, der Name Cocktail entstanden sein. Auch den Meßbecher den Peychaud bei er Zubereitung seiner Mischungen benutzte nannt man Coquetier, da er aussah wie ein von beiden Seiten geöffneter Eierbecher . (Meine Meinung: Der Peychaud-Bitter ist bekannt und New Orleans sind die eigentlichen Tatsachen an dieser Story. Der Familienbitter ist ist wichtig für den Cocktail „Sazerac“, einem Klassiker aus New Orleans. Das Wortspiel mit dem Eierverkäufer halte ich dagegen für unwahrscheinlich)
-Cock-tailings wurden in engl. beeinflussten Gebieten seit je her Reste in einem Spirituosenfass genannt.
-Cocktail: für alle französischen Geschichten spricht, daß das Wappentier der Franzosen ein Hahn ist. Der Hahn ist schon seit der Gallierzeit (lat. Hahn = Gallus) für Wappen und Repräsentationszwecke verwendet worden. Und wenn man sich das Verbandswappen unserer DBU anschaut, endeckt man auch einen ganzen Hahn und nicht nur den Hahnenschwanz. J
1783 Johann Jakob Schweppe (*1740) aus Hessen erfindet in Genf Sodawasser, das erste kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränk. Er startet 1793 in London mit der kommerziellen Sodafabrikation. 1897 kommen Ginger Ale und Tonic Water hinzu, 1957 Bitter Lemon. Er verwendet das weiße, bitter schmeckende Pulver, Chinin, das aus der Chinarinde gewonnen wird. Chinin gilt als magenanregendes Bittermittel, das zur Schmerz- und Fieberlinderung und besonders gegen Malaria gegeben wird. In Indien sehr oft gebraucht, tranken die heimgekehrten Offiziere in London gerne ein Indian Tonic. Ebenfalls von 1783 stammen Eintragungen in einem Sittenwerk aus Amerika über „Cobblers, Cocktails und Flips“ (1944 laut Conrad Rosenow, Barmeister aus München). 1783 wir d die Firma Herm. G Dethleffsen in Flensburg gegründet.
1789 Reverend Elias Craig, Baptistenprediger in Lexington, USA, brennt nachweislich den ersten Mais-Whiskey mit dem heute noch typischen Bourbongeschmack. Im gleichen Jahr erhebt der gerade gewählte erste Präsident der USA, George Washington, die erste Whiskeysteuer. Evan Williams aus Louisville brannte erstmals 1783 nach einer völlig mißlungenen Roggenernte, einen Whiskey aus Mais. Um 1800 stehen in Maryland, Pennsylvannia, Kentucky und im Gebiet der Herzogtümer der Bourbonen knapp 1000 Destillen.
1791 Tullamore Dew Whiskey entsteht in Dublin. In Nordamerika plant Präsident George Washington die Anhebung der Steuern auf Whiskey. Diese Pläne führen zur amerikanischen „Whiskey-Rebellion“, nach deren Niederschlagung viele Farmer mit ihren Brennblasen nach Westen weiterziehen.
1793 Der Spanier Don Francisco de Arango y Parreno legte die ersten großen Zuckerrohrplantagen auf Kuba an und ließ sie von Sklaven bearbeiten.
1795 Otard brennt erstmals Wein im Chateau von Cognac. Ein deutscher Einwanderer namens Böhm legte in den USA den Grundstein für die größte Bourbonmarke der heutigen Zeit. Der Siedler Jakob Beam (1770-1834) kam von der Ostküste und schuf in Frankfort, Kentucky, die Rezeptur für Jim Beam, die seit 1795 Bestand hat. In Mexiko hebt der neue König Carlos IV das Brennverbot seines Vorgängers von 1758 auf. Er erteilt Don Jose Maria Guadelupe de Cuervo die offizielle Genehmigung im Distrikt Tequila einen „vino mezcal“ zu brennen und dafür eine Brennerei zu bauen.
1796 Der englische Kaufmann John Woodhouse gründet auf Sizilien ein Weinunternehmen. Schon 1773 beschließt er einen Likörwein herzustellen, der mit dem Sherry, Portwein und Madeira mithalten kann. Dieser süße Marsalawein, benannt nach der Hafenstadt Marsala, wird bei der gerade dort liegenden englischen Flotte, unter Admiral Nelson, schnell beliebt.
1797 Der Arzt Dr. Ordinaire flüchtete 1790 während der Revolution in die Schweiz. Hier entwickelte er 1792 ein Rezept für einen Kräuterlikör. Als er 1793 starb, vermachte er das Rezept seiner Haushälterin Madame Henriot, die es als Verdauungshilfe verkaufte. Einer ihrer Kunden war Major Henry Dubied. Dieser erwarb 1797 zusammen mit Henri-Louis Pernod die Rezeptur. 1798 entsteht dann in Couvet, Schweiz, der Absinth Pernod Fils. 1805 läßt sich das Haus Pernod in Pontardier, Frankreich, nieder. Pernod, aus Sternanis und Kräutern, wurde zur begehrtesten Spirituose des 19. Jahrhunderts in Paris und zum Mitbegründer der Absinthwelle.
1800 Die Verwendung von Eis für Getränke wird üblich.
1801 Chivas Regal, „Scotland’s Prince of Whiskies“ wird gegründet.
1802 Napoleon erlaubt den Franzosen den Import von Rum (frz. Rhum), was laut Königlichem Erlaß von 1713 bis dahin verboten gewesen war.
1806 Die amerikanische Illustrierte “The Balance“ erwähnt am 13. Mai „Ein Cocktail ist ein ausgezeichnetes Gebräu, ordinär als bittered Sling bezeichnet“. Die Firma Doornkaat brennt im gleichen Jahr in Norden, Ostfriesland, erstmals ihren Schnaps. Im Jahr 1806 wurden von Jamaika etwa 30 Millionen Liter Rum nach Europa eingeführt.
1810 In Stonsdorf im Riesengebirge stellt Herr Gottlieb Körner nach einem alten Rezept den „Echt Stonsdorfer“ Kräuterlikör her. Seit 1945 wird in Norderstedt, bei Hamburg, produziert.
1813 Der Franzose Joseph Louis Noilly, Aromatiker von Beruf, bereitet einen trockenen weißen Vermouth in Marseille zu. Er entwickelte das Rezept für diesen neuartigen Aperitifwein, mit Claudius Prat aus Weinen des Languedoc, die in der Sonne faßgelagert wurden. 1853 wurde der Vermouth Noilly Prat dann erstmals in die USA importiert. Hier kam es dann zum Treffen mit dem Gin. Aus ihrer Beziehung stammt der Martini Cocktail !J!
1815 Aus 33 Kräutern wird in Mailand der Amaro (=Bitter) Ramazotti nach langem Experimentieren vom Weinhändler Ausano Ramazotti hergestellt.
1818 Peter F. Heering beginnt in Kopenhagen als Brenner und macht sich mit seinem Kirschbrandy schnell einen Namen. Pierre (Ivan) Smirnoff erzeugt in Moskau Wodka. Er benutzte erstmals einen Holzkohlefilter für die Filterung des Wodkas. 1886 wird Smirnoff Hoflieferant des Zaren Romanow. Die Familie Smirnoff wird zu einer der reichsten Familien der Welt. Doch die Revolution setzte 1918 dem Erfolg ein Ende. Nach vielen Umwegen wird die Firma von dem Amerikanischen Unternehmen Heublein gekauft und seit 1939 in Conneticut, USA, gebrannt. Heute ist Smirnoff im Bereich Wodka weltweit Marktführer.
1820 Johnnie Walker startet in Kilmarnock mit seiner Whiskyproduktion.
1824 Angostura Bitter wird als Arznei von Dr. Johann Gottlieb Benjamin Siegert, einem Arzt aus Heidelberg, in Venezuela erfunden. Benannt nach der Stadt Angostura am Orinoco Fluß, die seit 1846 Cuidad Bolivar heißt. Der deutsche Doktor und Abenteurer Siegert diente 1815 Marshall Blücher in der preußischen Armee und kämpfte in Waterloo gegen Napoleon. 1819 in Südamerika, kämpfte er an der Seite von Simon Bolivar gegen die Spanier um Kolumbien zu befreien. Nach einigen weiteren Abenteuern in Guayana bleibt er 1824 schließlich in Venezuela. Auf der Suche nach einer Medizin gegen die Malaria entdeckt er sein Heilmittel „Angostura“. Verkauft wird Angostura seit 1830. Eine richtige Brennerei steht seit 1875 und verkauft noch heute weltweit nach dem Originalrezept. Der Bitterextrakt wird aus der Rinde des Angosturabaumes gewonnen.
1826 Bokma Genever startet in Holland. Die erste deutsche Sektkellerei wird von Georg C. Keller gegründet.
1827 Jean Baptiste Lapostolle erwirbt bei Paris eine kleine Destillerie. Nach vielen Experimenten schuf Louis-Alexandre Marnier-Lapostolle die Rezeptur für den Grand Marnier: Aus getrockneten Orangenschalen der Insel Haiti und Cognac stellt er „Triple Orange“, einen Orangenlikör, her. Die Firma Georges Ballantines & Son. Ltd. beginnt in Dumbarton, Schottland, mit der Whisky - Produktion.
1835 Die Likörfabrik Anton Riemerschmidt wird in München gegründet. Sie macht sich fortan als Importeur und Vorreiter, von meist unbekannten Spirituosen und Getränken, um die Deutsche Barkultur sehr verdient. Riemerschmidt erfindet u.a. den Escorial grün und importiert als erster Tequila und Cachaca.
1837 Viktoria (* 1819, † 1901) wird Königin von Großbritannien. Unter ihrer Regentschaft, welche als das „Viktorianische Zeitalter“ bezeichnet wird, erlebt England eine beispiellose wirtschaftliche Blütezeit. Viktoria wird 1876 auch Kaiserin von Indien. Etliche Bargetränke, wie Fixes und Daisies werden in diesen „fetten“, von Erfindungen überschwemmten, Jahren geboren. Die Engländer kultivieren das Trinken von Bordeaux, Sherry, Vintage Port, Maidera, Claret Cup und Sherry Cobblers. Die zahlreichen Gin Palaces werden immer luxuriöser eingerichtet.
1840 Pimms No.1 entsteht in London. James Pimm hat einen „Gin Sling“ kreiert, der bei den Gästen seines Londoner Restaurants „Oyster Bar“ so gut ankommt, daß er auf Flaschen gezogen wird. Später kamen noch No.2 mit Whisky, No.3 mit Brandy, No.4 mit Rum, No.5 mit Rye und No.6 mit Wodka hinzu. Nur No.1 wird heute noch aus dieser Serie weltweit vertrieben. Pimm’s Bar erlangte großen Ruhm im Britischen „Empire“. Sie war durch ihre Punche und Mixturen bekannt geworden, die auch an den Königshof geliefert wurden. James und John Grant bauen in Rothes in den Highlands eine Whiskydestille. Sehr gerne laden sie sich Gäste ein, die es zu schätzen wissen, den in einem Safe im riesigen Garten versteckten, besonderen Whisky namens „Glen Grant“ zu probieren.
1844 Sixtus Schladerer übernimmt von seinem Vater den Hof mit einer Brennblase und startet in Staufen im Breisgau mit der Obstbrennerei.
1845 Guyot beginnt in Dijon mit der Johannisbeerlikörherstellung: dem Cassissée. Heute gibt es rund 30 Cassishersteller in Dijon. 1841 war August-Denis Lagoute der erste, der aus schwarzen Johannisbeeren industriell einen Likör produzierte. Der Kir entstand ebenfalls in dieser Zeit. Der Bürgermeister von Dijon, Felix Kir, servierte Gästen ein Gemisch der beiden besten Produkte des Burgunds: Trockener Weißwein mit Johannisbeerlikör. Nimmt man Rotwein statt Weißwein, nennt man das Getränk Cardinal. Felix Kir wurde immerhin 92 Jahre alt. In einigen Aufzeichnungen heißt er Kanonikus Kir und war erst Gemeindepfarrer von Nolay und später ‚nur‘ stellvertredender Bürgermeister von Dijon. Der Graf Bernardino Branca erzeugt 1845 den „Original Fernet“ in Mailand. Fernet Branca wird schnell beliebt und zeitweise sogar von Ärzten als Medizin verschrieben.
1846 Hubert Underberg gründet mit seinem Rezept für einen Kräuterbitter in Rheinberg am Niederrhein ein Unternehmen. Alborg Aquavit wird in Jütland, Dänemark, gebrannt. Kreiert von Henius von Thorn. Im Pariser Opernviertel verkauft Joseph Dubonnet 1846 in seinem Verkaufsladen den „Quinquina Dubonnet“.
1849 Eduard Cointreau gründet in Angers eine Destillerie. 1875 schuf er dort den berühmten Orangenlikör „Cointreau“.
1856 Die Sektkellerei Henkel wird in Mainz gegründet.
1857 Peter Eckes beginnt mit einer kleinen Brennerei in Nieder-Olm. 1952 brennt man dort Chantré, 1960 den klaren Weinbrand Zinn 40. Heute zählen auch Säfte zum deutschen Geschäfts-Imperium. Seagrams Canadian Whisky wird in Waterloo, Ontario, gebrannt. Die große Zeit der kanadischen Destillen soll dann während der Prohibition der USA folgen.
1858 Hiram Walker beginnt mit der Produktion von Canadian Club Whisky in Walkerville, ebenfalls Ontario. Das Planter’s Hotel in New Orleans soll in diesem Jahr der Geburtsort des „Tom Collins“ und des „Planter’s Punch“ gewesen sein. Beide kreiert vom Barkeeper Tom Collins. (Hartnäckiges Gerücht aus den USA)
1859 Jerry Thomas, Pionier-Barmixer aus den USA, ist in Liverpool, London, Southampton und Paris mit seinen 4000 Dollar teuren silbernen Barutensilien auf Europa-Tour und verbreitet die „schicken“ Cocktails, wie vorher schon in Amerika. Die Leute sind erstaunt über seine Fingerfertigkeit und seine Tricks.
1862 Das erste Cocktailbuch der Welt wird von Jerry Thomas veröffentlicht: „ The Bon Vivant’s Guide or How to mix Drinks“. Sein zweites Buch 1864 nennt der kalifornische Barmann nur noch „How to mix Drinks“. Don Facundo Bacardi aus Spanien verläßt im Alter von 14 Jahren sein Heimatland und geht nach Kuba. Dort gründet er am 4. Februar 1862 in Santiago de Kuba eine Destillerie. Nach einigen Jahren u.a. als Weinhändler, hat er das Rezept für seinen typisch milden und weißen Rum perfektioniert. Als typisches Wiederkennungszeichen für sein Produkt wählt er, die in seinen Faßlagern oft anzutreffenden Fledermäuse. Bacardis Frau Dona Amalia bestärkt ihren Gatten darin, zumal die Fledermaus einer lateinamerikanischen Tradition zufolge Glück bringt. In Edingburgh wird erstmals das Scotch Vat 69 (=Faß 69) ausgesucht. Der Gastronom Caspare Campari erfindet in Mailand im Keller seines Restaurants „Camparino“, am Domplatz in der Galleria Vittorio Emanuele II, einen neuen roten Bitter aus 86 Kräutern, Wurzeln, Früchten und Gewürzen. Für die rote Farbgebung ist die Cochenilla Laus zuständig, die aus Südamerika stammt. Der heute typische Campari Cocktail „Americano“ soll 1861 erstmals in Camparis Bar serviert worden sein.
1863 Alessandro Martini und Luigi Rossi gründen in Turin das Haus Martini. Sie erhalten die erste Lizenz zur Vermouth Herstellung in Italien.
1865 Der Engländer Lauchlon Rose importiert Limetten aus den Westindies, Karibik, für seinen „Rose’s Lime Juice“.
1866 Jasper Newton, genannt „Jack“, Daniels (1846-1911) beginnt mit 20 Jahren, in aller Ruhe, in Lynchburg, Tenessee, eine Brennerei zu gründen. Da er diese gleich registrieren läßt (Est. & Reg. 1866) nennt sich Jack Daniels heute älteste, registrierte Destille der USA.
1868 Harry Johnson schreibt das Cocktailbuch: „The new and Improved Illustrated Bartenders Manuel or How to mix Drinks of the present Style“. Hansen Rum startet in Flensburg mit dem Rumimport. Mc Iilhenny stellt erstmals auf Avery Island, USA die höllisch scharfe Würzsauce Tabasco her. In Caltanissetta auf Sizilien brennt die Firma „Fratelli Averna“ nach einem alten Rezept einen Halbbitter.
1869 In New Orleans findet der erste Cocktailwettbewerb der Welt statt. Gewinner wird Harry Johnson.
1870 Das Rezept für Southern Comfort mit Orangen, Pfirsichen und Kräutern wird in New Orleans von dem jungen Barkeeper M.W. Heron erfunden. Entwickelt hatte er es aus dem seit 1863 in Missouri sehr beliebten Drink „Cuffs and Bottoms“, Bourbon mit Pfirsichlikör, der sogar als Marinade für Pfirsiche genutzt wurde. Heute wird leider Monopolsprit als Basis verwendet. Das Wort Whiskey sucht man vergeblich auf der Flasche. Lindner erfindet eine Kältemaschine: den Kühlschrank. Er ermöglicht anfangs die Kühlung von Getränken, später sogar, daß man selber „künstliche“ Eiswürfel aus Wasser herstellen kann. Der Börsenhändler Carpano entdeckt im Turiner Piazza Castello, in seiner Likörstube nahe der Turiner Börse, das Rezept für Punt e Mes. Die Firma Roederer liefert für den Zaren von Rußland ihren Champagner in Bleikristallflaschen. Die ‘Roederer Cristall’ Flasche ist so stabil, das sie ohne Bodenwölbung auskommt.
1872 Auf der Ferieninsel Nordstrand vor Husum wird anläßlich einer Taufe der Pharisäer erfunden. Der Pastor Gustav Bleyer war Alkoholgegner und daher der einzige auf der Insel, der seinen Kaffe mit Sahnehaube und ohne Rum bekam.
1874 Das bekannte Sherryhaus Domecq stellt in Jerez erstmals den Brandy „Fundador“ her. Erst nur als Beigabe für den Sherry gedacht, um jenen länger haltbar und reisefest zu machen, wird spanischer Brandy mit Erfolg verkauft.
1875 Die Prairie Oyster wird von Leo Engel in New York erfunden. Kurz danach geht Engel nach London. Der Franzose L. Simonin kehrt von einem Amerikaaufenthalt zurück : „In New York gibt es nicht die Cafés, wie bei uns in Paris bekannt. Dort gibt es Trinkstuben, und die sind überall!“